Laufen für die Deutsche KinderKrebshilfe

Wir legen die Füße noch nicht hoch: Fast am Ziel Leo, 19.09.2015

Klausuren überstanden, Bachelor geschafft, Praktikum vorüber und der letzte Wettkampf zur Vorbereitung liegt auch hinter uns. Hamburg am 30.08. hat noch einmal gut reingehauen und uns gezeigt, dass die Stadt im hohen Norden doch nicht so flach ist, wie man vielleicht denken mag! Als Gipfel der Anstrengung eines strapaziösen Wochenendes haben es Gisbert und ich dennoch geschafft und die Strecke durch das Nobelviertel Blankenese bewältigt. Ein bisschen Routine hatte sich eingestellt, da es für uns schon der dritte Wettkampf über die “halbe Strecke” war. Dennoch sind wir noch nicht fertig für diesen Sommer und wollen die Zeit einmal nutzen, um zu resümieren, was uns seit Februar, als wir unser Projekt “Ein langer Weg” gestartet haben, so passiert ist:

Freiburg im März:

Im Rahmen des 12. Freiburg Marathons haben wir uns auf die halbe Distanz gewagt und unter widrigen Umständen erste Wettkampferfahrungen gesammelt. Beste Bedingungen für den ersten Streich sehen nämlich anders aus! Nachdem mich passend zum Ende der Klausurphase das Fieber, im hart ersparten Urlaub der Sonnenstich und in den letzten Tagen vor dem Lauf mein Knie außer Gefecht setzten, sollte jetzt auch noch das Wetter nicht mitspielen. Das kündigte sich schon am Samstag an, als plötzlich eine Unwetterwarnung für den Hochschwarzwald und Freiburg veröffentlicht wurde und sich Marius aus sicherer Entfernung erkundigte, ob wir nicht lieber schwimmen wollten – haha! Etwas ratlos verbrachten wir also den Vorabend mit entspanntem Kochen und ließen den Sonntag einfach mal auf uns zukommen.

Unser Glück, dass sich das angekündigte Unwetter nur als mäßiger Regen und Wind entpuppte: Das sollte uns nicht hindern! Leider war unter diesen Umständen unsere Entscheidung, „kurz“ zu laufen, aber auch nicht die Beste und so mussten wir unser Equipment kurz vor dem Start noch ein bisschen ausbessern. Letztlich half alles nichts und wir mussten hinaus in den Regen! Die Ergebnisse waren den Umständen entsprechend zufriedenstellend und der Muskelkater zeugte  davon, dass auch 21,1km auf Wettkampftempo einige Substanz kosten können!

Bonn im April:

Der Wetterbericht kündigte Sonne und „1-16°C“ an und es blieb eindeutig am unteren Ende davon! Das fiel uns besonders auf, als wir mit der Vespa in die Stadt fuhren und ich es – mal wieder – bereute, mich für kurze Laufsachen entschieden zu haben. Irgendwie bin ich da ungeschickt! Auf der Konrad-Adenauer-Allee war der Start. Da Marius mich angemeldet hatte und ich irgendwie keinem Startblock zugeordnet war, suchte ich mir den Magenta-Startblock aus. Hörte sich weniger bedrohlich an, als Schwarzer Startblock. Mit etwas Verzögerung ging es dann um kurz vor neun los und direkt über die Kennedybrücke in Richtung Beuel. Dort war die Strecke erstmal recht unspektakulär: Ewig führte sie durch Wohngebiete, fast bis nach Ramersdorf, wo es nach einer Wende zurück (durch mehr Wohngebiete) nach Beuel ging. Nach etwa acht km ging wieder zurück auf die andere Rheinseite und dort am Ufer entlang. Das war, mit vielen Zuschauern und tollem Wetter, echt nett! Hier erspähte ich auch Marius, der sich am Streckenrand postiert hatte und ZIEEEH brüllte. Hab ich dann auch. Am Rhein entlang ging es zu den Auen und, über das Gelände um den Post-Tower nach Osten. Das war, ehrlich gesagt, ein ziemlich ätzendes Stück Strecke, da man ewig bis zu den Autobahnauffahrten lief, dort wendete und die gleiche Strecke zurücklief. Eigentlich bietet Bonn mehr, als vier km Bundesstraße abzutrampeln, naja! Vorbei am UN-Gebäude ging es zurück in Richtung Stadt und entlang der Adenauer-Allee zurück zum Schlosspark. Dort ist mir noch eine lustige Sache passiert. Aus irgendeinem Grund war, kurz nach der 20 km Marke, ein „Ziel“-Torbogen in Sicht. Ich habe mich erst noch gewundert, was denn da mit der Streckenvermessung passiert ist, hab das Tempo dann aber doch angezogen und mir nichts weiter dabei gedacht. Doch leider war das nicht das Ziel: Kurz hinter dem „Ziel“ stand ein weiteres Schild mit „Noch 1000m bis zum Ziel“. Na, toll! Was das sollte, weiß ich immer noch nicht! Immerhin war ich nicht der einzige, der sich aufs Glatteis hatte führen lassen. Durch die Innenstadt ging es dann aber nochmal an vielen Zuschauern vorbei und auch dort haben die Beine noch etwas hergegeben, bis auch das tatsächliche Ziel auftauchte. Gefühlt war ich deutlich schneller als vor drei Wochen in Freiburg, die Uhr zeigte aber gnadenlos 1:51.51. Immerhin zeigte die Tendenz in die richtige Richtung!

Göttingen im Mai

Was ich nicht empfehlen kann, ist die Reise mit dem Nacht-Fernbus. Nach abenteuerlichen sieben Stunden hatte ich es von Freiburg nach Göttingen geschafft und wurde von Gisbert ziemlich zerschlagen am Bahnhof eingesammelt. Den Vormittag haben wir dann beide direkt mal verschlafen, haha!

Am Sonntag stand dann mal eine kürzere Strecke in Gisberts Heimatstadt auf dem Plan. In langer Familientradition wird im Rahmen des Göttinger Frühjahrslaufs das sportliche Kräftemessen in der Familie Teepe ausgetragen. Und in dieses Spannungsfeld sind wir nun auch hineingeraten! Die Konkurrenz zeigte sich aber schon am Frühstückstisch: Was eignet sich in der Wettkampfvorbereitung besonders? Kaffee ja, Kaffee nein? Iso, Vitamine oder Kohlenhydrate? Natürlich ließ sich niemand von seinem Plan abbringen und so kamen wir zu keiner eindeutigen Lösung, haha! Nach kurzer Team-Besprechung brachen wir dann zum Jahn-Stadion auf, wo sich Start und Ziel befanden und – vor dem zehn km Lauf – die „kleine“ Runde über fünf Kilometer startete. Marius hatte über die kurze Distanz seine Premiere und Gisbert und ich entspannten noch etwas in der Sonne. Wie es anders kaum hätte sein können, begann es aber passend zum Start „unserer“ Strecke zu regnen. Zum Glück hielt es sich in Grenzen und nach einem etwas vollen Start ging es hinaus ins Göttinger Umland. Ehrlich gesagt habe ich mich nicht wirklich orientieren können, da die Strecke weitgehend durch Felder, Wiesen und rund um einen See führte (liest sich sogar noch unspektakulärer, haha), die ich allesamt nicht kannte. Kurz vor der Wende kam mir Gisbert entgegen und trieb mich zur Eile an. Gesagt, getan! Also ging es bald zurück in Richtung Jahn-Stadion, als sich noch ein unschöner Zwischenfall ereignete: Am Streckenrand verunfallte ein  Zuschauer mit dem Fahrrad, was kaum einen Teilnehmer zu stören schien. Bis ein Rettungswagen nach einigen Minuten eintraf, wartete ich mit einem zweiten Läufer an der Unfallstelle. Schade, dass so vielen Leuten ihre Zeit auf den letzten zwei Kilometern so viel wichtiger ist! Nach 47:53min. traf ich dann auch im Ziel ein – unzufrieden mit den Umständen. Im Nachhinein war die kurze Distanz über 10km aber eine schöne Abwechslung und das Wochenende mit den Herrschaften mal wieder ein Vergnügen!

Duisburg im Juni

Da unsere Zahl recht dezimiert war, Leo war leider verhindert und Marius und Abu mussten lernen (sehr vorbildlich), versuchte ich am Abend vorher beim Kalorien-Tanken (Fachitas gefüllt mit Feta, Aubergine und Zucchini) Fräulein Claudia Quitmann dazu zu bewegen, sich noch im letzten Moment nachzumelden. Trotz Rotwein und dem eigentlich unschlagbaren Argument um sechs Uhr Morgens mit mir am Bahnhof zu stehen und Richtung Pott zu fahren, war es nicht möglich sie zu überzeugen. Welche Schmach!

Also trat ich nach knappen 6 Stunden Schlaf die Reise alleine an. Im Zug habe ich dann auch direkt noch etwas Schlaf nachholen können. Anscheinend kann man sich nicht auf die Bahn-App verlassen und so gab es die von mir herausgesuchte Verbindung dann leider doch nicht. Als die Zeit knapp wurde entschied ich mich kurzerhand ein Taxi zu nehmen. Zehn Euro ärmer und ziemlich genervt, kam ich dann am Stadion an.

Es folgte das übliche: Umziehen, Chip holen, Sachen wegbringen, warm machen, hoch pushen und … warten. Natürlich verschob sich der Start und so hätte ich mir mal wieder viel Stress ersparen können, hätte ich das einkalkuliert.

Um kurz nach halb zehn ging es dann los. Wie in Freiburg hatte ich mal wieder keinen Peil wo die Strecke eigentlich lang ging. Das Schöne ist, dass man sich ja sehr gut an den Absperrungen und den ganzen Leuten orientieren kann. Es gab auch so gut wie keine Höhenmeter zu überwinden und so lief ich mit meiner vorgenommenen Kilometerzeit sehr gut gelaunt durch Duisburg.

Ab Kilometer zehn wurde es allerdings sehr heiß. Dank der vielen Menschen, die an der Strecke gestanden und uns angefeuert haben, konnte ich aber das Tempo halten. Auch die Erfrischungsstände waren gut gesetzt und halfen bei der Abkühlung z.B. durch eine mit Rasensprenger.

Ziel und Start waren beide am Stadion, als ich dies dann sah, aktivierte ich die letzten Reserven und lief bei strahlendem Sonnenschein in die Arena ein. Hier war die Stimmung einfach super! Es waren ziemlich  viele Leute dort, die alle lautstark anfeuerten. Als ich dann im Ziel war, stand auf meiner Stopp Uhr 1:29:40:02. Eine etwas bessere Zeit als in Freiburg! Vielleicht lag es an dem natürlichen Doping, ich war nämlich vorher eine Woche in Südtirol mit meiner Familie auf einer Hütte.

Hamburg im August

Die Stadt hat es in sich: Wegen der langen Anreise entschieden wir uns für ein ganzes Wochenende im hohen Norden, das wir mit allem füllten, was die Hansestadt zu bieten hat. Nur an einer Sache haben wir gespart: Schlaf. Als Leo und Gisbert am Sonntag nach dem Aufwachen im Bett lagen, stellten sie eine Liste mit Dingen auf für die sie an diesem Tag gut ausführen könnten. Den vorletzten Platz belegte einen Halbmarathonlauf laufen, direkt gefolgt von dem absolut undenkbarsten, eine Klausur schreiben. Da mussten wir dann aber durch und auf zum Start. Also ab in die U-Bahn und raus nach Blankenese.

Beim Weg zum Start merkte Gisbert wie „der Drache geweckt“ wurde. Der Ehrgeiz packte ihn wieder und für die ersten sechs Kilometer dachte er, er könnte seine gewohnte Geschwindigkeit laufen. Die verbleibenden 16 Kilometer waren dann nur noch ein Kämpfen mit jedem Schritt. Das lag auch daran, dass wir uns für den „Fanatic“-Halbmarathon entschieden hatten. Dieser beinhaltete nicht nur Treppen und ziemlich viele Höhenmeter (man glaubt es kaum im hohen Norden) sondern auch unterschiedlich beschaffene Böden und andere erschwerende Bedingungen!

Leo konnte die Strecke etwas mehr genießen als dem durch seinen Anfangssprint geschwächten Gisbert. Diese war nämlich ausgesprochen schön. So lief man immer mal wieder für längere Zeit an der Elbe entlang, durchstreifte ausschweifende Parkanlagen mit grünen Seen und durfte die schönsten Häuser/ Villen die Hamburg so zu bieten hat bewundern. Dazu kam noch ein teils typisches Hamburger Wetter (sprich: Regen), das für eine Abkühlung sorgte und gelegentlicher schien angenehm die Sonne. Die Straßen waren voll von Leuten, die alle lautstark anfeuerten. Alles in allem eine wirklich wunderschöne Strecke!

Nach drei Tagen und 21 km zusammen, waren wir am Sonntag ziemlich fertig und die Zeit war auch nicht wirklich so, wie wir uns sie vorgestellt hatten. Leo Zeit war eine 1:49:00 und Gisbert ist eine 1:41:41 gelaufen.

Was jetzt noch kommt…

Die Wettkämpfe und Erfahrungen, die wir in diesem Jahr mit “ELW” gemacht haben, haben gute Erinnerungen geschaffen (die ja bekanntlich länger halten als die Mühe, die das Training manchmal kostet). Was unsere Vorbereitung angeht sind wir deshalb “fast am Ziel”. Der Höhepunkt, unser erster Marathon in Köln am 04.10. steht uns aber noch bevor. Wir sind sehr gespannt und freuen uns auf eine neue Herausforderung. Zwei Wochen bleiben noch, um die letzten Schliffe zu setzen und dann wird es ernst. Wir werden Euch berichten und verbleiben mit vielen Grüßen!