Laufen für die Deutsche KinderKrebshilfe

Das war’s: #koelnmarathon und Nachbericht Leo, 05.10.2015

Das war es also, der Köln Marathon 2015, der uns mit dem klangvollen Motto „Dein Köln. Dein Ziel.“ in die Domstadt gelockt hatte. Leider lief dann alles doch etwas chaotischer als geplant, aber ich berichte besser von Anfang an!

Einige Wochen vor Semesterbeginn ging für mich in Freiburg schon wieder die Uni los. Der „Querschnittsbereich Prävention“ hatte sich eine ganze Woche unter den Nagel gerissen und bot eine bunte Woche mit Themen über Impfprävention, Lebensmittelhygiene und – ganz passend – Sportmedizin (ob der dunklen Vergangenheit der Freiburger Sportmediziner hier als „Bewegungs- und Arbeitsmedizin“ verpackt, haha). Letzteres Thema bot die Möglichkeit, eine Leistungsanalyse auf dem Laufergometer anfertigen zu lassen. Da sich der Zeitpunkt kaum besser hätte eignen können, habe ich die Gelegenheit genutzt, um mir einige Tage vor unserem Ziel noch ein Bild von meiner Form machen zu können. Erschreckt darüber, wie sehr man in knapp 20 Minuten (so lange dauerte meine Ausbelastung etwa) außer Puste geraten kann, wurde mir dann aber bestätigt, dass die Marathon-Distanz doch gut zu schaffen sein sollte. Hat mich in der Situation noch nicht ganz überzeugt, aber irgendwie sollte es ja schon gehen!

Die Woche verging also und ich drehte meine letzte kleine Runde am Mittwoch, da ich nicht erwartete, noch einen wesentlichen Trainingseffekt zu erzielen. Freitag endete dann auch die Praktikumswoche und natürlich durfte auch eine Klausur nicht fehlen. Schnell zwanzig Kreuze gemacht (ja, so schnell geht das manchmal bei uns Medizinern) und dann ging es ans Packen. Per Mitfahrgelegenheit ging es dann in den Norden. Leider hatten wir den Nachmittagsverkehr ein wenig unterschätzt und so zog sich die Fahrt bis in den Abend. Mal wieder ergab es sich, dass meine „Fahrerin“ irgendwann keine Lust mehr hatte und so fuhr ich den Großteil der Strecke und setzte mich in Köln ab.

Da wir uns die Woche über nicht gut absprechen konnten (Marius steckte noch in seinem Praktikum, Gisbert war noch in Nizza und auch Abdullah hatte die Woche über alle Hände voll zutun), hatte mich mich bei Freunden meiner Eltern einquartiert. Von dort aus sollte die Planung, so hatte ich überlegt, etwas einfacher sein. Falsch überlegt – aber dazu später mehr!

Der Samstag als die „Ruhe vor dem Sturm“

Nach einem ausgiebigen Frühstück verbrachte ich einen entspannten Tag mit Vivian in der Stadt. Auch sie war extra aus Freiburg angereist und wir genossen einen sonnigen Tag in der Rheinmetropole. Im Anschluss wollte ich „noch kurz die Startunterlagen abholen“…und damit begann das Chaos. „Zwischen Hansaring und Ebertplatz links runter“ lautete die präzise Wegbeschreibung der Leute, die ich durch ihre blau-weißen Plastikbeutel mit dem Aufdruck „Et kütt wie et kütt op 42,192km“ als Teilnehmer identifizieren konnte. Also nichts wie los und die Startnummer abholen. Kaum war ich aus der S-Bahn gestiegen, stellte sich die Frage nicht mehr, wo genau die Startunterlagenausgabe liegen konnte: Man unterschätzt doch sehr, wieviele Menschen es doch sind, wenn von 22.000 Teilnehmern die Rede ist. Kaum ausgestiegen, stand ich also bald in einer ewigen Schlange. Um Gisbert die Mühe zu ersparen, wollte ich auch seine Unterlagen abholen und versuchte gefühlte 25 Mal, ihn zu erreichen. Während ich überlegte, ob seine Planung, am Samstag aus Südfrankreich zurückzureisen und am Sonntag den Marathon zu laufen, doch etwas sportlich gewesen sein könnte, meldete sich Marius: Angeschlagen, irgendwas während seiner Famulatur eingefangen. So ein Mist, aber manchmal hat man es nicht in der Hand. Ich wartete weiter und während es langsam dunkel wurde, versuchte ich immer noch, Gisbert zu erreichen. Keine Chance, entweder er hatte keinen Empfang, verplant sein Handy einzuschalten, oder wieder einmal kein Handy mehr, haha. Es kostete mich beinahe zwei Stunden, bis ich es endlich geschafft hatte und meine Startnummer abholen konnte. 4215, vorletzter Startblock. Leider hatte ich Gisbert immer noch nicht erreicht und so blieb nichts anderes übrig, als es ihm selbst zu überlassen. Auf dem Rückweg hörte ich dann auch von Abdullah. Da wir für den Abend kein Treffen mehr planen konnten, machten wir kurzerhand einen Treffpunkt für den Sonntag aus: vor dem „Gaffel am Dom“ (dämliche Idee, denn direkt dort war der Zieleinlauf und entsprechend die Hölle los, aber auch dazu später mehr…). Der Weg ging also zurück und ich traf mich mit meinen freundlichen Gastgebern und meinen Eltern, die es auch nach Köln verschlagen hatte. Carb-Loading bei einem Italiener sollte den Abend abrunden, als so gegen halb acht ENDLICH mein Handy klingelte und sich Gisbert meldete. Die Rückfahrt aus Nizza hatte sich etwas länger gezogen, als gedacht. Sie wären jetzt aber schon in….FREIBURG. Oh Mist, das würde ja eine erholsame Nacht werden. Wie wir ihn kennen, gab es da aber noch den einen und anderen Plan: Auto mieten, bis in die Nacht zumindest nach Bonn fahren, dort noch ein wenig schlafen, dann nach Köln. Oder doch noch einen Zug nehmen? Wäre das nur das einzige Problem gewesen, denn nach den Teilnehmerinformationen sollte es Sonntags keine Möglichkeit mehr geben, die verbleibenden Startunterlagen abzuholen, die ich am Nachmittag nicht mitnehmen konnte. Was nun? Während meine Nudeln kalt wurden, telefonierte ich die Service-Hotlines durch, während Gisbert an seiner weiteren Reiseplanung arbeitete. Gegen neun bekam ich dann zumindest die Info, dass wir die Startnummer noch am frühen morgen bekommen könnten. Plötzlich war dann aber Gisbert wieder verschollen und nicht mehr zu erreichen – was für ein chaotischer Abend! Als ich irgendwann im Bett lag, kam es mir fast lustig vor, wie unsere Planung an allen Ecken und Enden ein wenig entgleist war. Egal, würde schon werden!

Noch eine Krise

Der Sonntag begann dann früh. Für zehn Uhr war der Start geplant und da ich noch ein vernünftiges Frühstück wollte, klingelte mein Wecker schon um sieben. Da ich immer noch nichts von Gisbert gehört hatte, versuchte ich auch gleich noch einmal, ihn anzurufen: Mailbox. Vielleicht brauchte er nach seiner abenteuerlichen Reise doch noch etwas Schlaf. Nach zwei weiteren Versuchen gab ich auf und packte meine übrigen Sachen, als dann doch mein Handy klingelte: Gisbert meldete sich hörbar angeschlagen, die Reise hatte in Freiburg geendet, Fieber. Damit war für ihn der Marathon (zumindest für dieses Mal!) abgehakt. Auch Marius meldete sich dann noch: Auch ihn hatte es heftiger erwischt, als gedacht. Na, zumindest hatte ich mit Abdullah einen Treffpunkt ausgemacht („Gaffel am Dom“……..) und Vivian hatte versprochen, im Ziel zu warten. Also ging es los, in die Bahn und zum Deutzer Bahnhof, vor dem der Startbereich lag. Wie jedes Mal überlegte ich, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, „kurz“ zu laufen, als ich meine Sachen deponierte und mich in meinem Startfeld einfand.

Auf geht’s

Die Stimmung war erwartungsgemäß gut und nach einer knappen halben Stunde hatte ich mich gut aufgewärmt. Kurz nach zehn ging es dann auch los, über die Deutzer Brücke zurück auf die „richtige“ Rheinseite, den Rhein entlang bis ins Bayenthal, bevor es nach einer ersten Wende zurück in Richtung Südstadt ging. Hier konnte ich die Pacemaker für 4:30, 4:15 und 4:00 gut hinter mir lassen und ein ruhiges Tempo machen. Das Wetter war optimal, es waren etwa 15 Grad, leichte Bewölkung, kein Regen. In der Südstadt war die Stimmung dann schon richtig gut: Die Strecke war sternförmig angelegt, sodass man mehrfach an den großen Zuschauermengen vorbeikam, die natürlich eine tolle Atmosphäre schaffen konnten. In der Altstadt ging es dann nach einer erneuten Wende Richtung Südwesten nach Sülz und dann weiter nach Lindenthal. Diese „zweite“ Schleife war etwas ruhiger gelegen, doch mein Tempo passte ganz gut und so war es ein angenehmes Laufen. Da ich recht weit hinten gestartet war, konnte ich ganz entspannt ein gutes Stück „nach vorne treiben“, was immer ein besseres Gefühl ist, als wenn man ständig überholt wird, haha. Erneut ging es in Richtung Altstadt und dann weiter Richtung Friesenplatz, bevor die Strecke einen Bogen nach Nordwesten in Richtung Ehrenfeld machte. Ungefähr in diesem Bereich lag die 21,1km-Marke – Halbzeit also. Bisher hatte ich meine Kräfte gut eingeteilt und die Strecke machte immer noch Spaß. Das änderte sich dann aber, als es in einer schier endlosen Passage über Hansaring und Riehler Straße nach Nippes ging. Dort, weit im Norden der Innenstadt, wurde es dann doch irgendwann mühsam. Während ich die 30km-Marke noch optimistisch überschritt, merkte ich meine Beine ab 33-35km doch schon ganz ordentlich. Ab 37km war ich fest davon überzeugt, dass die einzelnen Kilometer unendlich länger geworden waren. Während nun vermehrt Läufer mit Krämpfen stehen blieben, oder Gehpausen einlegten, kam ich dann doch noch recht gut voran. Zwar wurden die Beine auch in der Innenstadt nicht mehr lockerer, aber mit wahnsinnig vielen Zuschauern und einer tollen Stimmung gingen die letzten zwei Kilometer dann doch noch einmal ganz gut und so kam ich mit einer Nettozeit von 3:52:32 ins Ziel. Endlich stehenbleiben (tut dann wirklich unglaublich gut, haha). Nach der Zielpassage traf ich auch Vivian, die ich leider während des Zieleinlaufs gar nicht gesehen hatte. Hat mich dann aber total gefreut, dass wir uns im Ziel getroffen haben! Etwas geschafft sind wir dann auch zu unserem grandiosen Treffpunkt, wo ich zwar meine Eltern finden konnte, aber Abdullah natürlich verpasst habe – super ärgerlich!

Ihr seht, irgendwie ist alles mögliche schief gelaufen an diesem Wochenende. Nichts desto Trotz bin ich sehr froh, dass es zumindest in dieser Form geklappt hat.

Zwar habe ich jetzt „unseren“ langen Weg zu Ende gebracht, aber die anderen haben nicht minder fleißig dazu beigetragen. Und wie Ihr wisst, haben wir „Ein langer Weg“ auch nicht für uns, sondern für einen anderen Zweck gestartet und Spenden für die Stiftung Deutsche KinderKrebshilfe gesammelt. Falls Euch also gefallen hat, was wir Euch an Infotainment, Schweiß und Mühe geboten haben, würden wir uns daher total freuen, wenn Ihr unserem Spendenaufruf nachkommt (falls Ihr das nicht ohnehin schon getan habt 😉 ). Wir werden jedenfalls in 2-3 Wochen mit der Stiftung abrechnen und Euch natürlich wissen lassen, was da so zusammengekommen ist!

Bis dahin, viele Grüße!

Leo